Mit seinem Lebensstil eckte Frank Lloyd Wright ebenso an wie mit seiner Architektur: Seine erste Ehefrau ließ er mit sechs Kindern sitzen. Er heiratete danach noch zweimal, ruinierte sich bei seiner zweiten Scheidung finanziell und hatte neben alldem wohl zahlreiche Liebschaften.
Aber auch ein grausames Verbrechen überschattete sein Leben. Ein geisteskranker Hausmeister legte ein Feuer und erschlug Wrights Lebensgefährtin Mamah Borthwick Cheney, ihre beiden Kinder und vier Angestellte mit einer Axt, während sich Wright auf Geschäftsreise befand.
Alles ist möglich.
Ein reicher Warenhausbesitzer beauftragte den Architekten Frank Lloyd Wright, ihm ein Haus mit Blick auf einen herrlichen Wasserfall zu bauen. Anstatt den Auftrag seines Bauherrn auszuführen, baute der eigensinnige Wright das Haus direkt über den Wasserfall. Aus dem spektakulären Blick wurde also nichts. Stattdessen konnten die schockierten Bewohner das Wasser nur rauschen hören. Außerdem mussten sie auch noch mit dem Schimmel fertig werden, der durch die Feuchtigkeit entstand.
Doch den Wasserfall zu einem Teil des Gebäudes zu machen, passte einfach besser zur Vorstellung Wrights von organischem Bauen. Dabei war sein Ziel die perfekte Harmonie von Gebäude und Landschaft. Heute ist das Einfamilienhaus „Fallingwater“ eine Architektur-Ikone.
Die Beziehung zur Natur und die Verwendung natürlicher Materialien sind auch typisch für die von Wright erfundenen „Prairie Houses“. Diese Flachbauten sind so offen, dass man von einer Seite des Hauses hindurch bis auf die andere schauen kann. Durch große Fensterflächen schweift der Blick weit hinaus in die Natur. Zentrum der Präriehäuser ist eine offene Feuerstelle, um die sich die Hausbewohner versammeln können. Mit dieser schlichten Bauweise forderte Wright den vorherrschenden viktorianischen Zeitgeschmack mit seinen pompösen Säulenfassaden heraus.
Wright provozierte auch bei größeren Projekten: Das Solomon-R.-Guggenheim-Museum in New York entwarf er in Form einer schneckenartigen Spirale, die eher an ein Parkhaus als an ein Museum erinnert. Die Besucher fahren dort zuerst mit dem Fahrstuhl ganz nach oben und werden dann über die Rampe an den Bildern vorbei nach unten geleitet. Der Bau löste seinerzeit heiße Diskussionen aus, weil Kritiker befürchteten, derartige Räume würden die Besucher zu sehr von der ausgestellten Kunst ablenken.
Mit dem „Usonian-Haus“ verwirklichte Wright 1937 den Plan eines sogenannten Low-Cost-Hauses: Er baute ein Wohnhaus aus Fertigteilen für ein „einfaches und angenehmes Leben“. Es kostete 5.500 Dollar, einschließlich des Architektenhonorars von 450 Dollar.
Solomon R. Guggenheim Museum, New York, 1956 – 1959
Fallingwater, Pennsylvania, 1935 - 1939
Frederick C. Robie House, Chicago, 1909 – 1910